Sparplan und „Pay yourself first!“

„Pay yourself first!“ – Nie gehört? Kein Problem. In diesem Blogartikel geht es um die Erstellung eines Sparplans unter diesem Prinzip.
Du wirst überrascht sein, wie leicht es dir fallen wird monatlich Geld auf die Seite zu legen und dieses dann mittels ETFs zu investieren.

Was ist ein Sparplan?

Mit einem Sparplan ist man in der Lage, in regelmäßigen Abständen, ETFs zu kaufen.

Gehen wir davon aus, dass uns am Ende des Monats immer 100€ übrig bleiben. Diese möchten wir auf intelligente, aber nicht zu anstrengende Art und Weise, vermehren ohne dabei ein allzu großes Risiko einzugehen.
Nachdem es, auf der Bank, allerdings so gut wie keine Zinsen gibt und die Inflation unser Geld dort „auffressen“ würde, wollen wir unser erspartes Geld jedes Monat in einen breit diversifizierten ETF anlegen und diesen, nach der „Buy and Hold“-Strategie, über einen sehr langen Zeitraum halten.

Dafür gibt es bei den meisten Online Brokern die Möglichkeit eines Sparplans. Dort kann man einstellen welchen Betrag man, monatlich/quartalsweise/halbjährlich/jährlich (abhängig vom Broker), in einen ETF investieren möchte.

„Was sind schon 100€?“

„Für 100€ bekommt man nichtmal eine Markenjeans. Dieser kleine Betrag, wird auch nicht für meinen Wohlstand sorgen. Den kann ich doch auch einfach ausgeben.“

Schauen wir uns an, was mit den 100€ auf lange Sicht passiert:
Wenn wir monatlich 100€ sparen, haben wir am Ende des Jahres 1200€. Stellen wir uns vor, dass wir mit 20 Jahren mit dem Sparen beginnen und bis zum Beginn der Pension (65 Jahre) „durchhalten“. Bis zum Beginn unseres Ruhestandes, haben wir so immerhin 54.000€ gespart.

Weil wir aber schon gelernt haben, dass sich Sparen für uns, aufgrund der geringen Zinsen, nicht mehr lohnt, wollen wir dieses Geld lieber passiv über einen ETF investieren.

Gehen wir konservativ von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 5% aus (bei breit diversifizierten ETFs, lag die durchschnittliche Jahresrendite, in den letzten Jahrzehnten, bei circa 8%). Was passiert jetzt mit unseren 100€?

Auch hier haben wir monatlich 100€, also insgesamt 54.000€ eingezahlt. Der Endwert beträgt nun allerdings 196.791,72€. Also fast 150.000€ mehr als beim reinen Sparen.
Wenn man diesen Betrag sieht, lohnt es sich vielleicht doch die 100€ im Monat zu sparen und nicht für irgendwelche Konsumgüter rauszuwerfen, die man in Wirklichkeit gar nicht braucht (mehr dazu in meinem Artikel über die Grundlagen des Sparens).

Was man nicht vergessen darf ist, dass man mit 40 Jahren, wenn man schon die eine oder andere Gehaltserhöhung bekommen hat, deutlich mehr als nur 100€ im Monat auf die Seite legen kann. Dementsprechend lohnt sich das Sparen von Geld, mit dem man dann investieren kann, noch mehr.

„Pay yourself first!“

Wie viel Geld bleibt Dir am Ende des Monats übrig? Die Antwort von den meisten Menschen, in meinem Umfeld, ist „Nichts.“ oder „Kaum etwas.“. Obwohl in meinem Bekanntenkreis einige sind, die relativ gut verdienen, bleibt ihnen am Ende des Monats, wenn überhaupt, nur ein geringer Betrag zum Sparen.
Gibt es eine Möglichkeit um die Sparrate zu erhöhen?

„Pay yourself first!“ – Bei dieser Methode des Sparens, legt man direkt nach dem Eingang des Gehalts, einen fixen Betrag auf die Seite bzw. investiert ihn.

„Warum ist das sinnvoll? Warum kann ich das nicht am Monatsende machen?“
Theoretisch kann man dieses festgelegten Betrag auch erst am Monatsende sparen/investieren.
ABER: Mir fällt auf, dass die meisten Menschen (dazu zähle auch ich), am Anfang des Monats (direkt nach dem Gehaltseingang) wesentlich weniger darüber nachdenken, ob sie sich diverse Konsumgüter kaufen sollen oder nicht. Am Monatsende allerdings werden sie unbewusst sparsamer.

Scheinbar ist unser Gehirn eher darauf programmiert mehr Geld auszugeben, wenn wir mehr am Konto haben.
Genau diesen Kreislauf können wir mit „Pay yourself first!“ unterbrechen.

Seit ich diesen Grundsatz anwende merke ich, dass ich wesentlich mehr Geld spare als zuvor. Ich kann diese Technik also absolut weiterempfehlen. Vielleicht willst Du es ja mal eine Zeit lang probieren und deine eigenen Erfahrungen mit diesem Grundsatz sammeln.

Wann ist es sinnvoll nicht monatlich zu investieren?

Wie ich schon in meinem Artikel zur Broker-Auswahl geschrieben habe, verlangen manche Broker für den Kauf von ETF-Anteilen eine Gebühr. Diese Gebühr ist entweder ein prozentueller Anteil des Kaufpreises, oder ein absoluter Betrag, der unabhängig vom Kaufpreis ist.

Prozentueller Anteil:
Angenommen der Broker verlangt bei jedem Kauf 1% der Kaufsumme.
Bei 100€ wäre das 1€, bei 200€ wären es 2€ und so weiter.

Wenn wir 100€ monatlich einzahlen, investieren wir über das Jahr gesehen also 1200€ und zahlen dafür eine Gebühr von 12€.

Würden wir die 100€ jedes Monat sparen und den Betrag nur quartalsweise (alle 3 Monate) investieren, würden wir, jährlich, 4×300€ = 1200€ anlegen und dafür, quartalsweise 3€ (1% von 300) bzw. jährlich 12€ (1% von 1200€) Gebühren zahlen.

Es ist also, aus der Gebühren-Perspektive, egal ob man einmal im Monat 100€ investiert oder einmal im Quartal 300€.

Absoluter Anteil:
Es gibt auch Broker die immer den gleiche absoluten Betrag für den Kauf von ETF Anteilen verlangen, unabhängig davon ob man 100€ oder 1000€ investiert.

Gehen wir, für das folgende Beispiel, von 1€ pro Ausführung aus.
Wenn wir monatlich 100€ investieren, zahlen wir dafür jedes Mal 1€ Gebühr (1%).
Würden wir allerdings quartalsweise investieren, würden wir, alle drei Monate, 300€ anlegen und ebenfalls nur 1€ Gebühr bezahlen bzw. auf das Jahr gerechnet 4€ (0,3%) .
Durch das quartalsweise Investieren, können wir uns hier also Geld sparen. Das wirkt sich natürlich auch positiv auf die Rendite aus.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Gebühren, vor allem bei kleinen Anlagebeträgen, einen großen Teil ausmachen können. Deshalb ist es, wenn man bei einem Broker mit absolutem Gebührenmodell ist, unter Umständen sinnvoll nur quartalsweise und nicht monatlich zu investieren.

Bequemlichkeit

Ein weiterer Vorteil eines monatlichen Sparplans ist die Tatsache, dass man sich zwar am Anfang für einen Broker und den „richtigen“ ETF entscheiden muss, dann aber relativ wenig Arbeit hat.

Das Geld wird in regelmäßigen Abständen automatisch investiert. Man muss sich also keine Gedanken mehr darum machen und auch nicht dauernd nachprüfen ob alles funktioniert.

Es genügt einmal alle 6 Monate ins Depot zu schauen (man soll den Überblick über sein Gesamtvermögen ja nicht ganz verlieren).
Wahnsinnig bequem und überhaupt nicht zeitaufwendig. Investieren muss nicht immer zeitraubend, kompliziert und anstrengend sein.
Hierzu sei noch erwähnt, dass jemand der nur selten in sein Depot schaut, weniger zum Handeln verleitet ist, als jemand der alle 10 Minuten die Kurse checkt. Genau dieses Handeln wollen wir nämlich vermeiden, da es schädlich für die Entwicklung unseres Vermögens ist.

Nicht vergessen: der passive Anleger, versucht mit möglichst wenig Aufwand den Markt abzubilden und schlägt damit (nach Gebühren) den Großteil der aktiven Anleger. Dazu habe ich bereits einen Beitrag verfasst.

Disziplin

Wenn man jeden Monat eine neue Ausrede findet, warum man dieses Mal nichts sparen kann und man nichts auf die Seite legt, dann bringt einem auch ein Sparplan auf den besten ETF nichts.
Verwende Deine freie Zeit nicht dafür Ausreden dafür zu suchen, warum du nicht sparen kannst, sondern lies lieber ein gutes Buch über passives Investieren oder meine Blogartikel. 😉

Das Erfolgsgeheimnis, liegt hier im langfristigem und regelmäßigem Investieren. Auch in Krisen wird der Sparplan einfach laufen gelassen und regelmäßig Geld eingezahlt. Nach jeder Krise geht es wieder nach oben, diesen Aufschwung wollen wir natürlich nicht verpassen.

Für Sparpläne ist also eine gewisse Disziplin erforderlich, um jeden Monat einen gewissen Betrag auf die Seite zu legen, mit dem dann investiert werden kann.

Kein Markettiming

„Sind die Aktienkurse eines Unternehmens gerade zu hoch um Anteile zu kaufen? Sind sie jetzt so niedrig, dass es langsam mal bergauf gehen muss?“

Wenn man 10.000€ auf einmal in eine einzige Aktie investiert und der Kurs fällt, kann es unter Umständen sein, dass man in seinem Depot schnell rote Zahlen sieht. Deshalb muss sich ein aktiver Investor viele Gedanken, über den richtigen Zeitpunkt für den Kauf einer Aktie, machen.

Über all das braucht sich, der passive Investor mit einem Sparplan, auf einen breit diversifizierten ETF, keine Sorgen zu machen.
Es werden in regelmäßigen Abständen Anteile von sehr vielen Firmen gekauft. Dadurch, dass man regelmäßig investiert und dabei gleichzeitig breit diversifiziert, kann es einem nie passieren eine Aktie mit dem gesamten Kapital zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu kaufen.

Vorteile des langfristigen Investierens mittels Sparplans

Am Ende dieses Artikels, möchte ich noch kurz, in Form von Stichpunkten, die wesentlichen Aspekte des Sparplans hervorheben:

  • auch kleine, monatlich angesparte, Beträge sollten in ihrer langfristigen Wirkung nicht unterschätzt werden
  • „Pay yourself first!“
  • bei absoluten Gebühren für den Kauf von ETF-Anteilen, kann es Sinn machen, quartalsweise einen höheren Betrag anzulegen und nicht monatlich die jeweils kleineren Beträge zu investieren
  • ein Sparplan ist bequem, weil man mit ihm wenig Arbeit hat
  • an Sparzielen festhalten und nicht nach Gründen suchen, warum man sich nicht an sie halten kann
  • man muss sich keine Gedanken darüber machen, ob der Kurs gerade perfekt für einen Einstieg ist, weil man nie sein gesamtes Kapital auf einmal verwendet

Wenn du bis hierhin alle Blogbeiträge gelesen hast, ist dein Wissen über die passive Geldanlage fundierter, als das von über 80% der deutschsprachigen Bevölkerung. Gratuliere! 🙂

Was hältst Du von Sparplänen bzw. vom passiven Investieren? Ich freu mich über Dein Kommentar!


14 Gedanken zu “Sparplan und „Pay yourself first!“

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